Ein ungewöhnlich heißer Sommer vertreibt uns aus den Wäldern Lapplands an die Küste. Temperaturen über 30°C lassen sich am Meer besser aushalten, wo ständig ein kühlendes Lüftchen weht. Wir wollen von Haparanda/Schweden nach Tornio/Finnland fahren. Wegen der pandemischen Lage waren die Grenzen im Juni 2021 geschlossen. Nun meldet das Auswärtige Amt, dass Deutsche wieder nach Finnland einreisen dürfen.

Im Systembolaget

Weil das Bier in Finnland viel teurer sein soll, gehen wir noch schnell in den Systembolaget in Haparanda und holen eine Palette DAB. Anschließend hüpfen wir in den ICA, um unsere Vorräte an Gemüse und Salat aufzufüllen. Beim Einkaufen können wir schon genau erkennen, wer Schwede und wer Finne ist. Aki Kaurismääki hat in seinen Filmen keineswegs übertrieben, die skurrilsten Gestalten in den unglaublichsten Outfits zaubern uns ein Dauergrinsen auf die Gesichter. Wir kommen aus dem Staunen fast nicht mehr heraus und sind megagespannt auf dieses Land.

In Haparanda direkt am Busbahnhof finden wir ein exzellentes Schnellrestaurant mit einem großen Parkplatz: "Haparanda Sushi & Indiskt". Im Angebot sind Sushi, leckere Bowls und indisches Food. Eine gute Wahl! Wir genießen es sehr, mal nicht selbst kochen zu müssen, Getränke und Kaffee gibt´s gratis dazu.

Dann reihen wir uns in die Autoschlange vor der Grenze ein. Gespannt beobachten wir, wie die Grenzbeamten jedes einzelne Auto stoppen. Fahrzeuge mit finnischen Kennzeichen werden einfach durchgewunken, manche Schweden müssen rechts auf den Parkplatz fahren. Deutsche oder holländische Kennzeichen sehen wir nirgends. Müssen wir noch einen Test machen? Wir sehen ein Testzelt auf dem Parkplatz…? Als wir dem Grenzbeamten sagen, dass wir Touristen sind und schon geimpft, möchte er die Impfbestätigung und den Ausweis sehen. Er inspiziert die Dokumente sehr gründlich und dann können wir ohne weiteren Test einfach einreisen. Wir sind in Finnland!

Parkplätze mit Steckdosen sehen wir häufig in Finnland

Tornio ist der finnische Teil der Stadt Haparanda, geteilt sind die Städte durch den Grenzfluss. Im Einkaufszentrum nach der Grenze gibt es einen Telia Shop, wo wir gleich unsere finnischen Simkarten besorgen. 28 Tage unbegrenzte Datennutzung für 19,95€, alles easy, funktioniert sofort.

Am kleinen Bootshafen von Kaakamo stellen wir uns in den Wind und verbringen dort eine angenehm kühle Nacht ohne Moskitos.

Morgens fahren wir ins 60 km entfernte Pisavaaran Naturreservat zum Wandern.

Auf dem Kätkävaara Wanderweg geht es 7 km durch den Wald, dann über eine Hochebene zum Aussichtsturm und wieder zurück. Vom Turm aus sehen wir die unendlichen Wälder Lapplands, Bäume bis zum Horizont. Wie schön ist doch der Norden Europas! Wir sind 3 Stunden unterwegs und sehen leider keinen Elch. Dafür fressen uns die Moskitos fast auf und erinnern uns daran, dass wir zur falschen Jahreszeit hier sind.

Ich liebe diese finnischen "Erklär-Tafeln", die an jedem Wanderweg stehen und einen prima Einblick in die Sprache geben.

Cafe & Bar 21 in Rovaniemi

In Rovaniemi, der Hauptstadt Finnisch-Lapplands finden wir ein angesagtes Restaurant mit leckeren Bowls. Ansonsten wirkt die Innenstadt wie ausgestorben, eine Kneipenkultur wie in Deutschland scheint es nicht zu geben. Ich lese die Schilder an den Türen der Geschäfte: Öffnungszeiten 10-16 Uhr. Wir passieren einige Restaurants, die entweder schon geschlossen sind oder um 20Uhr schließen. Was machen die Finnen wohl abends?

Beim Weihnachtsmann

Auf unserem Weg zu einem ruhigen Schlafplatz im Wald passieren wir den Polarkreis mit dem Weihnachtsmann-Dorf. Auch hier sind alle Souvenirshops, Restaurants, Outlets, Ausstellungen usw. schon geschlossen. Die endlos dudelnde Weihnachtsmusik begleitet uns auf unserem Spaziergang durch das leere „Dorf“. In Jahren ohne Pandemie ist hier wahrscheinlich etwas mehr los. An der Tankstelle gegenüber, an der E75 stehen viele Wohnmobile. Wir fahren in den Wald.

In Oulu findet jeden Tag ein großer Markt statt und wir wollen in der Markthalle Lachs und Rentierfleisch kaufen.

Finnland ist prima geeignet für große Fahrzeuge

Die Städte hier oben im Norden sind so wunderbar großzügig gebaut, mit breiten Straßen und so viel Platz, dass man problemlos mit dem Wohnmobil in die Innenstadt fahren kann. Auch einen Parkplatz zu finden, ist in der Regel nicht viel aufwendiger, als mit dem PKW.

Der Hafen von Raahe

Raahe ist ein kleines Städtchen südlich von Oulu, in dem noch ca. 200 gut erhaltene Holzhäuser aus dem 19.Jahrhundert stehen. Das schauen wir uns an und machen viele schöne Fotos.

Kalajoki soll der schönste Sandstrand in Finnland sein und ist nur 60 km entfernt. Als wir dort ankommen, erwartet uns ein gigantischer Vergnügungspark und ein überfüllter Campingplatz. Wir haben nicht bedacht, dass ganz Finnland momentan Sommerurlaub macht. Wir drehen bei.

Ohtakari

Der nächste Sandstrand liegt kurz vor Kokkola, auf einem Landzipfel bei Lohtaja. Auf der Halbinsel Ohtakari finden wir am Bootshafen in Strandnähe einen ruhigen Womo-Stellplatz.

Unbedingt lesen!

Wieder sind wir die einzigen Ausländer. Die Finnen sind sehr zurückhaltend, gucken kaum, grüßen nicht, schauen eher an uns vorbei. In meinem „Finnen-Buch“ erfahre ich, dass das nicht an uns liegt. Wolf grüßt ja gerne jeden und ich habe den Eindruck, dass sie da eher erschrecken, als sich zu freuen.

Mittags kommt ein Trupp junger Männer mit wunderschön restaurierten amerikanischen Straßenkreuzern vorgefahren. Als ich die schönen Autos fotografiere, lädt uns einer der Jungs auf eine kurze Spritzfahrt ein. So nett! Leider kann er wenig Englisch, so dass keine weitere Konversation zustande kommt.

Auffallend finden wir in Finnland die kinderreichen Familien, die wir häufig sehen. Unsere Camping-Nachbarn haben einen kleinen Bus und einen alten Wohnwagen dabei und morgens steigen tatsächlich zwei Erwachsene und 7 Kinder aus und die Frau ist sichtbar schwanger. Auch im Supermarkt und am Strand begegnen uns oft Familien mit 3,4 und mehr Kindern im Schlepptau.

Toivonens djurpark

Etwa 10 km vor Kokkola, an der E8 gelegen besuchen wir Toivonens Tierpark und Heimatmuseum. Beworben wird das Gelände als Ausflugsziel für Familien mit Streichelzoo, aber auf dem Areal stehen unzählige alte Traktoren und andere Oldtimer herum. Unbedingt einen Besuch wert!

Yyteri Hiekkarannat

Yyteri – angeblich einer der schönsten Stände Finnlands. Hinter dem Golfplatz finden wir einen schattigen Parkplatz, direkt am Strand. Zum ersten Mal seit langem gibt es keine Moskitos! Wir wandern den hellen Sandstrand entlang, bis wir zum belebten Badestrand kommen, wo es auch richtige Beachbars gibt.

Das Wasser ist sehr flach und sehr warm. Viele Familien mit Kleinkindern sind hier, man muss endlos lange durchs Wasser waten, bis man schwimmen kann. Auch hier sehen wir keine ausländischen Touristen. Es gibt SUPs zu mieten, in den Dünen sehen wir Quad-Spuren, es gibt eine Surf-Schule, ein Hotel … unser erstes „Ostseebad“.

Fiskars

Nun geht´s ganz in den Südwesten Finnlands, nach Fiskars, weil es dort coole Mountainbike Trails geben soll. Auf einem Parkplatz, der als Wohnmobil-Stellplatz ausgewiesen ist, packen wir gleich die Bikes aus und radeln zum wunderschönen Badesee im Wald.

Das Wasser ist supersauber und erfrischend, es gibt einen Steg und ein paar einheimische Badegäste. Gleich auf dem Rückweg stoßen wir auf einen der ausgewiesenen Trails durch den Wald.

Mountainbike Trail in Fiskars

Nach dem Frühstück geht´s los. Wir haben viel Wasser dabei,30°C, aber es geht ja in den Wald. Der Trail fängt ganz easy an, weicher Pfad durch die Farne, ab und zu eine Wurzel, ein Brückchen…wir beschließen gleich der schwierigsten und längsten Route zu folgen. 13km sollten doch locker zu schaffen sein. Fiskars Mountainbike Trails
Dann folgt Wurzel auf Wurzel, größere Steine zwingen mich zu langsamem konzentrierten Fahren, das fordert meine ganze Kraft. Dann geht es sehr steile verwurzelte Passagen hoch, über steile Felsen wieder hinunter, über ein Brett, über den Graben, der Schweiß läuft in Strömen. Dieser Trail fordert alles von Mensch und Material. Man darf keinen Fehler machen, die volle Konzentration ist gefordert. Fahrfehler bedeutet Sturz. Wir schaffen 8km, müssen dann wegen Verletzung abbrechen. Schade!

24 Pesula im S-Market Nihtisilta

Wir müssen dringend Wäsche waschen. In Espoo, einem Vorort von Helsinki finden wir einen Waschsalon, wo wir auf dem großen Supermarkt-Parkplatz parken können. Es gibt Waschmaschinen in verschiedenen Größen, Waschmittel ist immer mit dabei und die Wäsche dauert 30 min. Trockner gibt´s auch. Einfach super!

Helsinki erkunden wir mit den Fahrrädern. Es gibt überall Radwege und man kann eigentlich immer am Wasser entlangfahren, wo es etwas kühler ist. Im Juli 2021 war noch vieles geschlossen, es waren nur wenige Touristen unterwegs.

Weiter ging´s dann mit der Fähre von Helsinki nach Tallinn, der Hauptstadt von Estland. Reisebericht ist in Arbeit.






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