Endurowandern

bedeutet für mich entspanntes Herumtuckern in der Natur, durch den Wald, am Fluss entlang, hoch hinauf ins Gebirge. Oft gibt es Spannendes zu entdecken, ein verlassenes Dorf, eine Burg, eine alte Mühle. Manchmal treffen wir einen Hirten oder eine Bäuerin, dann ist es Zeit für einen kleinen Plausch und kulturellen Austausch.

In den Alpen gibt es viele kleine Schotterstraßen, die hoch ins Gebirge führen. Oft sind das ehemalige Militärstraßen, die bei einem alten Fort enden oder entlang einer (ehemaligen) Landesgrenze gebaut wurden. Diese Strecken sind fahrtechnisch meist nicht besonders anspruchsvoll, dafür bieten sie fantastische Ausblicke und wunderschöne Bergpanoramen.

Mit unseren Beta Alp 4.0 haben wir im September einige sehr schöne Touren unternommen:

Bourg-Saint-Maurice, Savoyen/Frankreich

Die Gemeinde Bourg-Saint-Maurice in den französichen Alpen ist für seine Skigebiete bekannt. Am Genfer See vorbei fährt man bis Albertville und dann noch ca.50 km auf der gut ausgebauten N90 nach Bourg-Saint-Maurice. Das kleine Städtchen entlang des Flusses Isère ist von hohen Bergen umgeben: Aiguille Rouge, 2965 m hoch; Mont Pourri, 3779 m hoch; und wenn man ganz oben steht, kann man sogar den 4696 m hohen Mont Blanc sehen, dessen Gipfel ganzjährig mit Schnee bedeckt ist.

Der "Camping Le Reclus" an der Straße nach Tignes eignet sich hervorragend als Basislager für mehrere Tagestouren in die umliegenden Berge. Hier treffen wir viele Motorradfahrer und tauschen uns mit ihnen aus.

Unsere erste Tour führt uns hinauf zum Fort de la Platte, auf fast 2000 m. Vom Tal aus geht´s auf einem sehr schmalen Asphaltsträßchen durch mehrere kleine Dörfer steil nach oben. Viele enge Kurven und Kehren fordern unsere ganze Konzentration, da jederzeit mit Gegenverkehr gerechnet werden muss.

Oben angekommen haben wir einen guten Überblick über die gesamte Gegend und all die hohen Berggipfel um uns herum. Da nach Saisonende schon alle Hütten geschlossen sind, genießen wir auf dem Gipfel unser mitgebrachtes Picknick. Bergab führt dann eine ziemlich steile Schotterpiste durch ein vom Militär genutztes Gelände. Schilder weisen darauf hin, wann die Piste für die Öffentlichkeit geschlossen ist.

Um nicht ewig nach guten Strecken suchen zu müssen, orientieren wir uns an den Tour-Vorschlägen von MDMOT:

https://www.mdmot.de/de/seealpen/seealpen-3-savoyen/1176-westalpen-offroadpisten.html

Die Touren kann man auch aufs Handy laden.

Für eine längere Tagestour fahren wir vom Campingplatz über die D220 nach Bellentre. Wieder schrauben wir uns auf einer sehr schmalen Straße und sehr vielen Kurven und Kehren nach oben. Nach den letzten Häusern fängt dann der Schotter an und man hat einen grandiosen Blick in die Täler und auf die umliegenden Berge. Wunderschön!

Im Tourbuch von MDMOT beginnt hier die Alm-Tour S61. Es geht entlang hochgelegener Höfe und Almen auf Schotter durch die schöne Berglandschaft. Nach steiler Kurvenfahrt sind wir wieder im Tal, im hübschen Städtchen Aime. hinunter ins Tal.  

Hier können wir gleich wieder hinauf in die Berge fahren wo die nächste Tour, die S60 beginnt. Diese Strecke ist fahrtechnisch anspruchslos, aber dafür landschaftlich sehr, sehr schön. Die Schotterstraße ist vor allem am Wochenende auch bei Allrad-Fahrern und Mountainbikern beliebt, da ist dann einiges los. Wir freuen uns über den tollen Blick auf den Lac des Fées und finden dort einen lauschigen Platz für unser Picknick.
In Arèches geht´s dann auf Asphalt weiter nach Beaufort, wo der leckere "Beaufort-Käse" herkommt. Auf der D925 und D902 fahren wir zurück nach Bourg-Saint-Maurice. Die Straße geht zum Teil durch den Wald, dann an einem See entlang und es sind nur wenige Autos unterwegs. Wir genießen die Kurven auf Asphalt und die schnellere Fahrt zum Abkühlen.

Sehr bekannt und vor allem bei den Asphaltfahrern sehr beliebt ist die Straße auf den Col de L'Iseran  der auch ohne Schotter großen Spaß macht. Eine weitere coole Passstraße geht von Bourg-Saint-Maurice auf den Col du Petit Saint-Bernard mit Blick auf den Mont Blanc.

Eine weitere sehr schöne Tour auf Asphalt geht hinauf ins Skigebiet "Les Arcs" und dann durch unendlich viele Kurven und Kehren hinunter nach Peisey-Nancroix. Wir fahren ganz hinter ins Tal und stehen dann vor dem beeindruckenden Bergmassiv des Mont Pourri. Über Landry geht´s nun zurück nach Bourg-Saint-Maurice.

Cuneo, Piemont/Italien

Als zweites Basislager für unsere Endurotouren wählen wir die italienische Stadt Cuneo.

Cuneo liegt in der Region Piemont, nicht weit vom französischen Mercantour-Nationalpark, umgeben von hohen Alpengipfeln, wie dem 3297 m hohen Monte Argentera und dem 3841 m hohen Monte Viso. Cuneo ist Treffpunkt für Motorradfahrer, da von hier aus viele Pässe befahren werden können.

Vom Campingplatz aus fahren wir die SP23 bis Valgrana, dann nach Pradleves und über Chiappi hinauf auf den Colle Fauniera. Hier, oberhalb der Baumgrenze haben wir eine grandiose Aussicht. Das Sträßchen ist meist asphaltiert und an manchen Stellen sehr schmal. Es ist zwar wenig los, aber man muss jederzeit mit einem hinabrasenden Mountainbiker rechnen oder mit einem Allrad-Van, der um die Ecke kommt.

Eine sehr beeindruckende Tour führt uns über die SS21 nach Demonte und dann hoch zur Maira-Stura-Kammstraße.

Diese Schotterpiste ist am Wochenende für Autos und Motorräder gesperrt und auch während der Sommermonate gelten eingeschränkte Zeiten:

Auf dieser Tour passieren wir mehrere Pässe: den Colle de Valcavera, 2416m ; Colle de Fauniera 2481m und den Colle de Sampeyre, 2284m.

Wieder helfen uns die Tour-Vorschläge von MDMOT und die App bei der Streckenplanung.

http://www.mdmot.com/L2-Reiseenduro-Maira-Stura-Kammstrasse.html

In Ponte Marmora angekommen, nehmen wir die SP422 bis Bassura und dann die sehr schmale Straße SP335, ausgeschildert ist der Ort Elva. Es geht kurvig hoch hinauf bis zum Colle di Sampeyre mit atemberaubender Aussicht.

Nun beginnt die Varaita Kammstraße/ Strada dei cannoni. Diese Schotterpiste ist etwas anspruchsvoller zu fahren, da es teilweise sehr grob geschottert den Berg hinunter geht. Vom Colle di Sampeyre sind es ca. 30 km bis im ersten Bergdorf wieder eine asphaltierte Straße beginnt. Dann hinunter nach Dronero, wo man auch wieder tanken kann.

Die Tourkoordinaten finden wir bei MDMOT als Tour L3. Wir fahren die Tour allerdings im Anschluss an die Tour L2 verkehrtherum.

Sospel, Seealpen/Frankreich

Am Fuß der Seealpen/Alpes Maritimes und am Rand des Mercantour Nationalparks liegt das Städtchen Sospel. Wir sind nun wieder in Frankreich, aber sehr nahe der italienischen Grenze.

Leider stellen wir fest, dass die Tankstelle im Ort nicht mehr existiert. Man muss nun ins 22 km entfernte Breil-sur-Roya fahren, um zu tanken.

Auf dem Camping Sainte Madeleine zwischen Sospel und Moulinet gelegen, treffen wir wieder einige Motorradfahrer.

Die Strecke nach Moulinet bis zum Col di Turini führt anfangs durch eine spektakuläre Schlucht, die Gorges du Piaon.

Dann geht es sehr kurvig hinauf auf den Pass und ins Skigebiet. Oben am Camp d`Argent gibt es exzellentes Essen im Restaurant Yeti.
Hinunter kurven wir die D2566 und dann die D21 nach Lucéram. Das ist ein Kurvenspass! Viele Kehren sind spitz und eng, wie gut, dass wir die kleinen Enduros dabeihaben. Wieder auf der D2566 fahren wir bis L`Escarène und auf der etwas größeren D2204 zurück nach Sospel.

Im Tourbuch von MDMOT findet sich auch eine sehr spannende Offroadtour, die L7 zum Col de Turini: https://www.mdmot.de/de/ligurien/ligurien-1-klassik.html

Man fährt von Breil-sur-Roya aus entlang des malerischen Tals Vallon de la Maglia und kommt dann an mehreren Ruinen ehemaliger Militärgebäude vorbei. Super Tour!

Eine weitere Offroadtour geht von unserem Campingplatz aus zum Col de Braus. Es geht gleich schotterig durch den Wald nach oben und dann auf der Höhe zum Col du Farguet. Sehr abenteuerlich ist die Abfahrt nach L'Escarène . Das Sträßchen ist teilweise so eng, dass wir kaum an den Autos vorbeikommen. Die genauen Koordinaten gibt´s bei MDMOT Tour L16 Col du Farguet.

Es gibt noch viele spannende Strecken in dieser Gegend, z.B. die Ligurische Grenzkammstraße oder die Touren rund um den Colle di Tenda. Der Tende-Pass (1871m hoch) trennt die französischen Seealpen von den Ligurischen Alpen. Wikipedia schreibt: "Oberhalb der Tunneleinfahrt ist die Nordrampe mit ihren zwölf Kehren eher unauffällig, die Südrampe hingegen zählt mit ihren teils dicht übereinanderliegenden 46 Kehren zu den spektakulärsten Passstraßen der Alpen."
Die fahren wir dann im nächsten Jahr!

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