Mitte Juni zogen wir los mit unserem "Monsterle". Reisen in Dänemark und Schweden war zu diesem Zeitpunkt für geimpfte Personen erlaubt. Finnland und Norwegen war für Touristen noch geschlossen, aber wir hofften, dass sich das bald ändern würde. Die erste Etappe führte uns bis nach Lahnstein in der Nähe von Koblenz, wo wir sehr liebe Freunde besuchten.

Wir durften direkt im riesigen Garten vor der schönen, alten Villa übernachten.

Am nächsten Morgen unternahmen wir eine kleine Wanderung wir durch die „Rupertsklamm“. Entlang eines kleinen Bächleins schlängelte sich der Pfad steil bergauf. Vom Höhenweg genossen wir die grandiose Aussicht auf die Lahn und einen Teil von Lahnstein.


Dann quälten wir uns über die deutsche Autobahn durch unzählige Staus in Richtung Norden. Wir schafften die 620 km bis an die Nordsee in etwas mehr als 8 Stunden.

Auf einem Stellplatz hinterm Deich bei Meldorf verbrachten wir die Nacht, Impfpässe und Ausweise wurden genau kontrolliert. Hier konnten wir um 22 Uhr noch bei Tageslicht spazieren gehen.

Über das Eider-Sperrwerk, oder genauer gesagt, durch den Tunnel im Sperrwerk geht´s nach Sankt-Peter-Ording. Dort kann man (für 14€ Gebühr!) mit dem Wohnmobil direkt an den Strand fahren. Mit einem leckeren Salat genossen wir die Aussicht aufs Meer und beobachteten das Strandleben.

Nach dem Strand-Spaziergang fahren wir weiter, da das Übernachten dort nicht erlaubt ist.

Immer an der Küste entlang ging´s nach Dänemark, ca. 270 km bis nach Hvide-Sande. Die Grenze ist kaum zu erkennen, Impfpässe will niemand sehen.

Im Hafen von Hvide-Sande setzen wir uns in ein Restaurant, natürlich draußen. Keiner trägt Maske, ich gehe ohne Maske nach drinnen zur Toilette… ein seltsames Gefühl, an das ich mich erst wieder gewöhnen muss. Das Essen ist recht teuer, aber sehr lecker. Welch ein Genuss, mal wieder Essen zu gehen!

Da "Frei-Stehen" in Dänemark verboten ist, gehen wir auf den Camping Norre Lyngvig, 8km nördlich von Hvide-Sande. Der Camping ist direkt vor den Dünen gelegen, im Juni gibt es viel Platz auch für große Wohnmobile und wir können zu Fuß über die Dünen an den Strand gehen. Am Automat checken wir abends mit der Kreditkarte ein. Am nächsten Morgen gehe ich zur Rezeption, um uns anzumelden. Ohne Maske, sehr ungewohnt.

An jeder Ladentür hängt ein Schild mit einer Zahl, die informiert wie viele Personen sich im Laden aufhalten dürfen. Die Leute warten geduldig vor dem Geschäft und halten Abstand, die Handdesinfektions-Spender sind meistens leer.

17.Juni: Dänemark knackt die 30°C-Marke. Das ist für uns definitiv zu heiß! Wir beschließen zügig in Richtung Schweden weiterzureisen, um der Hitze zu entkommen.

Mit laufender Klimaanlage durchqueren wir Dänemark und fahren auf der Brücke über den großen Belt. Im Hafen von Reersö finden wir einen ruhigen Stellplatz für die Nacht. Anmeldeformulare liegen aus, das Geld packen wir in den Umschlag. Vertrauen gegen Vertrauen, das gefällt mir. Wir erhalten einen Code für das Waschhaus im Hafen. Ein erfrischender Wind kühlt uns etwas ab und wir machen noch einen Abendspaziergang durch das hübsche Dörfchen. Es ist immer noch ungewohnt, dass es in der Nacht nicht richtig dunkel wird. Die Sonne geht zwar um 22 Uhr unter, aber der Himmel bleibt die ganze Nacht über dämmerig. Wir müssen die Rollos im Wohnmobil ganz schließen, um einigermaßen schlafen zu können. Wie soll das erst im Norden werden…?

Am Morgen probieren wir den Code für das Waschhaus im Hafen aus und sind freuen uns über eine ausführliche Dusche. Sogar eine Waschmaschine wäre inklusive. Im kleinen Laden der Marina kaufen wir Lachs und frische Krabben. Über Kopenhagen und die lange Östersund-Brücke gelangen wir nach Malmö. 128€ kostet die Brückenmaut für unser Monsterle. An der Grenze werden weder Ausweise noch Impfpässe kontrolliert.

21. Juni

Nach 480 km erreichen wir Mönsteras und die Halbinsel Oknö an der Ostküste Schwedens. Auf Kaffetorpets Camping finden wir einen wunderschönen Platz am Waldrand. Vögel zwitschern den ganzen Tag und weil es nie dunkel wird auch noch die halbe Nacht.

Unter den Bäumen wachsen kniehohe Farne, auf einem Pfad durch den Wald sind wir in 5 min. am "Badplats"  

Am Holzsteg kann man über eine kurze Leiter in den 17 °C kalten See klettern, der von der Ostsee gespeist wird. Als wir sehen, dass tatsächlich Leute dort schwimmen gehen, wagen wir es auch. Erfrischend!

Oknö ist ein kleines Paradies. Man kann Fahrradfahren, Schwimmen, Spazierengehen bei Tag und bei Nacht. 20.Juni: Nun wird es gar nicht mehr dunkel. Sonnenaufgang ist um 4 Uhr, Sonnenuntergang 22.30 Uhr, dazwischen ist nur Dämmerung.

Mit den Mountainbikes erkunden wir die kleinen Pfade, die überall durch den Wald und entlang des Ufers führen. Viele hübsche Ferienhäuser stehen auf dieser Halbinsel, jetzt sind die meisten noch leer. Ringsherum ist Wasser, mal See mal Meer. Im Schilf leben Entenfamilien und an den Ufern bringen die Schwäne ihrem Nachwuchs das Schwimmen bei. Die Boote der Bewohner dümpeln an Holzstegen, die überall ins Wasser ragen. Wir radeln, bis es uns zu heiß ist, und suchen dann einen Steg, von dem aus wir ins Wasser springen, um uns abzukühlen.

In Schweden trägt fast niemand eine Maske, auch nicht beim Einkaufen. Im Supermarkt erinnern Durchsagen auf Schwedisch und Englisch die Menschen aufzupassen und immer genügend Abstand zu halten.

21.Juni: Weiter geht´s nach Norden: 540 km, 8 Stunden, wir haben schon wieder 30°C, keine Lust auf Stockholm.

Übernachtungsplatz Kallriga Naturreservat bei Östhammar. Eine Piste 5km lange Piste durch den Wald führt zu einem schönen Platz am See (bzw. Meer?) wo schon 7 Wohnmobile stehen. Als wir aussteigen fallen hunderte Moskitos über uns her. Wir sind total schockiert, ziehen uns lange Hosen und Pullis an, besprühen alle noch freien Körperteile mit Nobite und machen noch einen Abendspaziergang in den Wald. Danach steigen wir schweißgebadet in unser Womo und fragen uns, ob es eine gute Idee ist, weiter nach Norden in die moskitoverseuchten Wälder zu fahren...

440 km und 8 Stunden später erreichen wir Mjällom und etwas später Norrfällsviken Camping & Stugby

Midsommer: Sonnenuntergang 23 Uhr, Sonnenaufgang 2.36 Uhr

Wir wollen das "Midommer-Wochenende" auf dem Campingplatz verbringen und schauen, wie die Schweden so feiern. Als wir ankommen, ist der Platz fast leer, es weht eine kühle Brise und hält die Moskitos fern.

Am Morgen packen wir die Mopeds aus und machen eine schöne Tour über die Halbinsel. Überall gibt es Wasser, mal See, mal Meer. Hübsche Ferienhäuser stehen am Ufer, Lupinen wachsen am Straßenrand, lichte Kiefernwälder mit flechtenbewachsenen Felsen bieten Schatten.

Viele der kleinen Straßen sind nicht geteert, so dass wir mit den Enduros bestens ausgerüstet sind.

Mit den Mountainbikes erkunden wir die nähere Umgebung. Wir folgen einem Wanderpfad und die Tour endet mal wieder im Abenteuer. Der Pfad geht zum Strand, wo wir die Bikes über Geröll schieben müssen und über große Felsen wuchten. Super anstrengend, ein Workout für den ganzen Körper. Beruhigend ist, dass wir ewig Zeit haben, da es ja nie dunkel wird.

Strandspaziergang: Das Meer ist still und glatt. Es ist ein „nordisches“ Meer, das eine ganz andere Farbe hat, als die Meere im Süden Europas. Auch wenn es auf den ersten Blick unbelebt aussieht, gibt es viel zu entdecken: Treibholzstücke, Pfützen mit Wasserläufern, Pflanzen die zwischen den Steinen wachsen, verschiedenfarbige Flechten, Elch-Losung, arktisches Gras.

Elch-Kacke


Kein einziges Stück Plastik liegt herum. Das ist unglaublich. Ein Strand ganz ohne Müll! Sowas haben wir lange nicht gesehen. An der Spitze der Landzunge steht ein Leuchtturm, den wir anpeilen in der Hoffnung, dort auf einen richtigen Pfad zu stoßen. Aber als wir dort ankommen, erkennen wir, dass der Turm nur vom Wasser aus zu erreichen ist. Vollautomatisch funktionierend, wird er wahrscheinlich nur für Wartungsarbeiten besucht.

Da Umdrehen keinesfalls, oder nur im Notfall in Frage kommt, kämpfen wir uns weiter über das Geröll und suchen einen Wanderpfad, der irgendwo auf der anderen Seite der Landzunge beginnt.

Nach ziemlich krasser Kletterei erreichen wir „Skvalpudden“, eine kleine Schutzhütte am Ende eines Klettersteigs.

Wir folgen dem Wanderpfad und treffen auf unser erstes Rentier. Es scheint gar nicht erschrocken zu sein und weiß wahrscheinlich, dass es hier im Naturschutzgebiet nichts zu befürchten hat.

Wir machen eine Radtour.


Zuerst geht’s in die Bucht Trollarviken, wo wieder viele hübsche Ferienhäuschen stehen.

Danach fahren wir noch auf den 281 m hohen „Högtklinten“. Der sehr steile Anstieg und die extreme Hitze machen´s uns nicht leicht.

Ein wunderbarer Rundumblick über die Buchten und Inselchen belohnt uns für die Anstrengung.

Der Campingplatz füllt sich zusehends mit Wohnwagen und Wohnmobilen. Einige Zelte, Familien, viele Kinder und Hunde. Midsommar ist laut Wikipedia "das zweitgrößte Fest des Jahres und die meisten Schweden feiern es mit Verwandten, Freunden und Nachbarn. Laut Gesetz vom 13. Februar 1952 wird Midsommar seit 1953 immer an dem Samstag gefeiert, der zwischen dem 20. und dem 26. Juni liegt."

Mangels Bäckerei backe ich mein erstes Pfannenbrot. Und es schmeckt prima!

Hier das Rezept:

- 400g Weizenmehl mit 80g Maisgrieß und 1 Tl. Salz mischen
- 1/2 Würfel Hefe oder 1 Tütchen Trockenhefe mit 450g lauwarmem Wasser verrühren
- beides zusammenmischen und dann mit 1 El. Olivenöl zu einem Teig verarbeiten, gut durchkneten!
- 15 min. zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen
- Pfanne mit 1 El. Öl einfetten, den Teig hineingeben, die Oberfläche mit dem restlichen Öl bepinseln
- den Herd auf kleine Flamme stellen und das Fladenbrot ca.30 min. zugedeckt backen
- dann den Deckel entfernen, darauf achten, dass kein Dunstwasser auf das Brot tropft und 8-10 min. fertigbacken

Guten Appetit!

Wegen der Corona-Pandemie sind alle öffentlichen Feierlichkeiten abgesagt. Jeder feiert vor seinem Wohnwagen mit seinen Freunden. Einige Leute gehen am Strand spazieren, vereinzelt brennt ein Lagerfeuer, einzelne Betrunkene taumeln durch die Gegend. Die große Sause bleibt aus.

Classic American Cars sind die große Leidenschaft der Schweden. Am Samstagabend cruisen sie gerne durch die Stadt und zeigen ihre blankpolierten schönen Autos:

Meine Beta macht Zicken, sie lässt sich nicht mehr starten. Da es keinen Kickstarter gibt, muss ich jetzt immer am Berg parken, was in Schweden gar nicht so einfach ist. Also fahren wir weiter nach Norden, um in Umea eine Werkstatt zu suchen.

Zwischenstopp zum Wandern im Nationalpark Skuleskogen:

Von der E4 sind es nur ein paar Kilometer zum Parkplatz „Entre´West“. Dort geht´s gleich über Holzstege in den Wald. Unter uns ist es sumpfig und dicke Mooskissen wechseln sich mit moorigen Tümpeln ab. Mehrere Schautafeln klären uns auf über den Nationalpark, seine Flora und Fauna. Die Wanderwege sind bestens markiert.

Am Ende unserer Wanderung kommen wir auf eine Lichtung mit einer Schutzhütte. Die Türe ist offen, jeder Wanderer kann hier rasten und sogar übernachten. Es gibt eine  Feuerstelle, das Feuerholz ist schon gehackt und ordentlich gestapelt. Eine Trockentoilette steht neben dem Haus und der Badesee ist auch nicht weit. Das wäre ein perfekter Platz, um mal in der Wildnis zu übernachten.

Übernachtungsplatz Tavelsjön: In der Nähe von Umea liegt dieser idyllische Übernachtungsplatz an einem See.

So richtig gut schlafen können wir nun nicht mehr. Bis 23 Uhr scheint die Sonne; so weit nördlich ist sie sehr intensiv und hell. Dann verschwindet sie zwar hinter dem Wald oder hinter einem Hügel, je nachdem, wo wir gerade stehen, aber erst gegen halb eins haben wir den Eindruck, dass es ein bisschen dämmrig wird. Wir schließen alle Rollos, aber durch diverse Spalte und Lücken kommt immer Licht hindurch. Um 2:20 Uhr ist die Sonne schon wieder da und scheint so hell wie vorher…. Wenigstens ist es nachts angenehm kühl, so dass die Rollos geschlossen bleiben können.

In Umea klappern wir alle Motorrad-Werkstätten ab. Leider ist gerade Hochsaison und die Läden sind komplett ausgebucht oder haben keine Lust sich mit solchen Kleinreparaturen abzugeben.

Dann werden wir an eine kleine Werkstatt in Bygdea verwiesen, ca.40km nördlich von Umea. Dort wird uns sofort geholfen. Thank you so much! Ein Kabel am Kupplungshebel war lose, wodurch der Startknopf nicht mehr mit Strom versorgt wurde. So einfach.

Wohnmobil-Stellplatz Ratan

Auf einem kleinen Stellplatz in Ratan direkt am Meer verbringen wir den Nachmittag mit Wäschewaschen. Zwei Wohnmobile stehen schon dort und auch zwei Segelboote liegen am Kai. Es gibt hölzerne Picknicktische am Ufer, alles ist sauber und gepflegt. Kein Müll nirgends.

Wir sind wieder total begeistert, wie "unbürokratisch" hier manches funktioniert: Das Geld für die Übernachtung stecken wir in einen Umschlag und werfen es in den Briefkasten an der Wand. Im Häuschen gibt es eine moderne Küche mit Kaffeemaschine und einem großem Esstisch.

Dort sind auch zwei saubere Duschräume und eine Waschmaschine zur Benutzung für die Gäste. Ich kann dort unsere Wäsche waschen und werfe dann 20 Kronen in das Kästchen. Genauso kann man hier Fahrräder leihen oder ein Ruderboot, das am Ufer liegt. Alles ist ordentlich und funktioniert, jeder geht sorgsam mit den Dingen um und bezahlt seinen Beitrag. So einfach.

Schweden ist: friedlich, idyllisch, sauber

Sim-Karte für Schweden
In der riesigen Avion Shopping Mall bei Umea gehen wir in den Telia-Shop. Halebop bietet eine Sim-Karte mit 60 GB für 28 Tage an. Das müsste reichen, um das Spiel Deutschland - England anzuschauen und die restlichen EM-Spiele noch dazu.

An der Tankstelle in Vindeln empfiehlt uns ein Schwede unbedingt kurz Rast zumachen beim neuen Grillplatz „Vindelforsana“. Dort geht eine steile Holztreppe hinab zum reißenden Fluss Vindelälven. Es ist einer der vier großen Flüsse Nordschwedens, der nicht reguliert wird und auch nicht zur Wasserkraftnutzung ausgebaut werden darf. Ein Wanderweg führt am Ufer entlang des reißenden Flusses bis zu einer Hängebrücke, auf der uns beim Überqueren ganz schwindlig wird. Es gibt viele schöne Picknickplätze.

Weiter geht´s nach Dorotea in Süd-Lappland. Auf dem DoroCamp stellen wir unser Monsterle ab und düsen mit den Enduros zum Borgafjäll-Skigebiet. Dort gibt es immerhin 3 Lifte und 17 km Skipiste und es geht bis auf ca.800 m hoch. Bei Freeridern und Wanderern ist das Gebiet sehr beliebt.  

Tankstelle und Supermarkt in Borgafjäll


Auf dem Weg zurück meiden wir die asphaltierte Straße und fahren über kleine Schotterstraßen zurück nach Dorotea. Im Wald wird Wolf einmal fast von einem jungen Elch umgerannt, der plötzlich erschrocken aus dem Gebüsch springt. Wieder einmal wünschen wir uns mit leisen Elektro-Motorrädern durch die Natur fahren zu können. Hoffentlich bald!

Schöne kleine Schotterwege führen ganz idyllisch am Fluss entlang. Auf breiten Schotter-„Autobahnen“ düsen wir endlos geradeaus durch den Wald. Gegenverkehr ist eher selten.


Auf der Strecke liegt das alte Sägewerk in Högland. Ein Freiluftmuseum mit einem großen Wasserrad, das in früherer Zeit die Säge antrieb. Die Info-Tafeln sind leider nur auf Schwedisch. In einem der alten Holzhäuser kann man anhand der antiken Möblierung sehen, wie die Menschen damals lebten. Wie so oft in Schweden ist alles offen, jeder kann sich die alte Hütte und das Sägewerk anschauen, nichts ist abgesperrt, im Vertrauen darauf, dass jeder Besucher die Dinge pfleglich behandelt und nichts zerstört. Nirgends liegt auch nur ein Fitzelchen Müll herum, alles ordentlich und sauber.

Vildmarksvägen

Dorotea - E45 bis Lövberga, dann  nach Gädedde. Eine sehr schöne kleinere Straße führt entlang mehrerer Seen.

Es ist superheiß, über 30°C, wir sind froh mit Klimaanlage im Auto sitzen zu dürfen. In Schweden haben die Sommerferien begonnen und es sind sehr viele Wohnmobile unterwegs. Die meisten schönen Plätze neben der Strecke sind besetzt.

Bei Kultsjön finden wir dann doch noch einen schönen Platz zum Übernachten am Ufer des riesigen Sees. Die Zufahrt ist steinig und steil, dank Allrad kein Problem.

Es ist überwältigend, wie ruhig  und schön dieser See daliegt. Allein die Betrachtung dieses Naturschauspiels macht mich glücklich.


Leider nicht sehr lange, da Millionen Moskitos an mein Blut wollen. Die Biester schaffen es sogar irgendwie an den Moskitonetzen vorbei in unser Wohnmobil zu kommen und bescheren uns eine ziemlich unruhige Nacht.

Am nächsten Tag wollen wir wandern gehen oder mit den Mountainbikes los. Wieder herrschen Temperaturen über 30°C und die stechenden Biester lauern uns schon auf. Frustriert geben wir klein bei und setzen uns ins klimatisierte Auto. Wir verwerfen all unsere Pläne und beschließen, für die Wander- und Mountainbike -Touren durch Lappland ein andermal wiederzukommen.

Die einzige Möglichkeit, den Blutsaugern zu entfliehen, scheint an die Küste zu führen.

Zügig fahren wir nun in Richtung Pitea, am Bottnischen Meerbusen, wo wir uns einen möglichst windigen Platz für die Nacht suchen.

Als wir in der Marina von Renöhamn aussteigen, weht uns eine kühlende Brise um die Nase. Wie schön.

Unser nächstes Ziel finden wir, indem wir auf der Karte nach einem möglichst windigen Plätzchen suchen:

Rörbäcks Camping och Havsbad

Als wir nach der langen Fahrt bei Rörbäcks Camping ankommen und die ganzen Wohnwagen, Autos und Menschen sehen, wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt. Aber man soll ja nicht gleich aufgeben und oft täuscht ja der erste Eindruck. Also gingen wir zu Fuß auf Erkundigungstour über das Gelände. Vorn, in der Nähe der Duschhäuser und WCs war natürlich alles belegt. Dort gibt es Stromanschlüsse und die Parzellen sind ganz eben und meist ohne Schatten. Der weitläufige Campingplatz liegt auf einer Art Halbinsel, so dass alle Stellplätze am Wasser liegen und ringsherum der Strand verläuft, mal Kies, mal Sand.

Am hinteren Ende wurde der Weg dann sandig und führte in ein kleines Kiefernwäldchen hinein. Am Ufer einer kleinen Bucht lag genau der perfekte Platz für uns, mit Bäumen für die Hängematte und genügend Schatten, um draußen sitzen zu können. Dank Allrad alles kein Problem.

Der Campingplatz ist voll mit schwedischen Wohnwagen. Ihre Bewohner grillen sich stundenlang auf ihren Liegestühlen oder am Strand. Frauen im Bikini, die Speckrollen zwischen den Stoffteilen hervorquellend und Männer in Badehose, die Plauze locker über den Hosenbund hängend, liegen in der prallen Sonne.

Die Sonne scheint hier tatsächlich 21 Stunden pro Tag. Wir sehen ihr um 23.30 Uhr zu, wie sie mit orangenem Schein über der Lagune zwischen den Kiefern verschwindet. Nun wird es nicht etwa dunkel, aber schon merklich kühler. Wir reißen alle Fenster und Luken im Wohnmobil auf und lassen die frische Luft hinein. Müde ist keiner, es ist taghell, aber um Mitternacht gehen wir in unsere Betten, schließen alle Rollos, machen es so dunkel, wie möglich.
Als ich aufwache, blitzt die Sonne durch einen winzigen Spalt am Fenster, ich öffne das Rollo und schaue auf den glatt daliegenden See. Wie Öl sieht das Wasser aus, kein Lüftchen bewegt die Oberfläche. Ich schaue auf die Uhr: 2.36 Uhr.

Auf der E4 begegnet uns ein Motorradfahrer, der nur mit Badehose und Helm bekleidet auf seiner dicken Honda sitzt. Später kommt uns ein Läufer entgegen, er läuft am Straßenrand in der prallen Sonne bei 30°C und trägt nur eine Badehose und Schuhe. Auch am Strand liegen die Menschen ohne Kopfbedeckung oder Sonnenschirm über Stunden direkt in der Sonne, bis sie rot durchgegart sind. Nur manche Kleinkinder tragen einen Hut oder ein T-Shirt. Ich vermute, dass die Menschen hier Sonne auf Vorrat tanken müssen, um die dunklen Monate im Winter zu überstehen.


Wir fühlen uns sehr wohl in diesem Land. Die Menschen sind unaufgeregt, eher zurückhaltend und immer sehr freundlich. Auf dem Land, wo wir uns hauptsächlich aufhalten, scheint es keine Kleiderordnung zu geben. Man trägt Jogginghose, Schlabbershirt, kurze Hosen mit Kniestrümpfen, egal ob in Größe M oder XXL. Selbst wir staunen oft über die ausgefallenen Kombinationen, die wir hier zu Gesicht bekommen.

Manchmal bekommen wir einen Daumen hoch für unser Gefährt, wenn wir vorbeifahren, eher selten werden wir darauf angesprochen. Man lässt die Mitmenschen in Ruhe und wird dafür auch in Ruhe gelassen. Sehr, sehr angenehm.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass (fast) jeder in Schweden Englisch spricht. Im Supermarkt kann ich jede Verkäuferin ansprechen, fragen, wo sich der Weizengrieß oder irgendwas anderes befindet, was sie mir dann sofort wort- und hilfreich zeigt. Auch die schwedischen Wohnmobilisten, die wir getroffen haben, waren immer sehr erfreut und hielten gerne ein Pläuschchen auf Englisch. Ein alter Schwede freute sich sehr über mein Interesse an diesem wunderschönen Ort (in Ratan) und erklärte mir gleich die ganze Geschichte des Dorfes und Hafens.

Wir reisen weiter nach Finnland. Hier ist unser Reisebericht Finnland.

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